Neue Vjosa-Studie: Kaum Energie, kein Sand für den Strand

 28.06.2019

++ Sedimentstudie der Universität für Bodenkultur Wien belegt gravierende Folgen der geplanten Kraftwerke an der Vjosa ++

Über ein Jahr haben Wissenschaftler der Universität für Bodenkultur Wien den Sedimenttransport der Vjosa untersucht und zwar für unterschiedliche Hochwasser- und Niedrigwasserphasen. Sie haben gemessen, wieviel Kies, Sand und Feinsediment die Vjosa transportiert und daraus die jährlichen Sedimentfrachten des Flusses berechnet. Aus diesen Ergebnissen haben die Forscher abgeleitet, welche Folgen es hätte, wenn die Sedimente in den geplanten Wasserkraftwerke Kalivac und Pocem zurückgehalten würde und zwar in Bezug auf die Energieerzeugung, die betroffenen Ökosysteme und die Adriaküste.

Das ist bisher eine der umfassendsten Untersuchung dieser Art an einem Fluss in Mittelmeerraum. Die Studie ist auch deshalb so spannend, weil die Vjosa der einzige Fluss in Europa mit einer derart naturnahen Dynamik ist. Vergleichbare Flüsse wie der Tagliamento in Italien, sind mehr verbaut als die Vjosa. Sie ist also so etwas wie ein einzigartiges Freiluftlabor.

Die Ergebnisse sind gravierend und zugleich eindeutig. Die Sedimentfracht der Vjosa ist außergewöhnlich hoch und übersteigt das übliche Maß – wie etwa der Alpenflüsse –  deutlich.

5 Millionen Tonnen Sedimente transportiert die Vjosa jährlich Richtung Adria. Das entspricht der Ladung von 250.000 großen LKW, jedes Jahr. Genau diese Mengen würden in den Stausee des geplanten Wasserkraftwerke Kalivac und Pocem zurückgehalten.

Doch was bedeutet das für die Energiegewinnung, die Vjosa und die Strände an der Adria?

  • Energieerzeugung nimmt jährlich ab: Die Stauseen würde durch den Eintrag der Sedimente jährlich um 2 Prozent verlanden. Das wiederum würde das Energieerzeugungspotential der Kraftwerke jährlich um 2% reduzieren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren würde das eine Abnahme der möglichen Energieerzeugung um 40 Prozent bedeuten
  • Der Stauraum Kalivac wäre in 45-65 Jahren weitgehend verlandet, der Stauraum von Pocem in 30-40 Jahren, die Energieerzeugung  entsprechend gering.
  • Erhöhte Kosten: Im Bereich der Staumauer müssten regelmäßig umfangreiche Ausbaggerungen von mehreren 10.000 Kubikmetern pro Jahr stattfinden, um die wichtigsten Sicherheitsstandards aufrecht zu erhalten. Die dabei anfallenden Kosten betrügen laut Wissenschaftler bis zu mehrere 100.000 Euro pro Jahr.
  • Grundwasserabsenkung: Unterhalb der Kraftwerke würde sich die Vjosa aufgrund der fehlenden Sedimente drastisch in ihr Flussbett eintiefen. Da Fluss und Grundwasser miteinander in Verbindung stehen, würde auch der Grundwasserspiegel deutlich absacken, mit negativen Folgen für die regionale Landwirtschaft. Letztlich würde außerdem die Auenlandschaft unterhalb der Staudämme austrocknen
  • Strände verschwinden: Eine weitere unmittelbare Folge der in den Stauräumen zurückgehaltenen Sedimente wäre eine drastische Erosion der Adriastrände nahe der Vjosa-Mündung: Jedes Jahr würde mehr und mehr Strand verschwinden, weil der Sand  durch die Brandung ins Meer gespült würde, ohne dass die Vjosa neues Sediment nachliefern könnte

 

Das Resümee der Wissenschaftler:  Die geplanten Wasserkraftwerke an der Vjosa würden zu einer lose-lose-lose Situation führen:

  1. Hohe ökonomische Kosten infolge des enormen Sedimenteintrags in die Stauseen und der abnehmenden Energieerzeugung,
  2. Ökologische Degradation eines einzigartigen Flusssystems,
  3. Langfristige negative Konsequenzen für die Strände und damit für den Tourismus der Region.

 

Die gesamte Studie ist hier zu finden