5000 bei Protest in Serbien: Wir geben euch nicht unsere Flüsse!

 28.01.2019

Etwa 5000 Personen demonstrierten am Sonntag in Belgrad gegen den geplanten Bau von hunderten Wasserkraftwerken in Serbien © Radomir DuvnjakBelgrad, 28.01.2019 – Gestern gingen in Belgrad etwa 5.000 Menschen auf die Straße, um gegen den Ausverkauf der Flüsse in Serbien und v.a. gegen den geplanten Bau von hunderten Wasserkraftwerken zu demonstrieren. Mehr als 850 Wasserkraftwerke sind offiziell in Serbien geplant, etwa 200 davon in Naturschutzgebieten wie Nationalparke, Naturparke etc.

Mit Bannern wie "Wir geben euch nicht unsere Flüsse!" oder "Rettet unser Wasser!" zogen die Menschen durch die Belgrader Innenstadt bis zum Regierungssitz. Die Organisatoren - zahlreiche Initiativen aus dem ganzen Land - forderten ein Stopp aller Wasserkraftprojekte, v.a. der sogenannten Kleinwasserkraftwerke. Ca. 95 Prozent der geplanten Anlagen in Serbien sind Kleinwasserkraftwerke - also Kraftwerke mit installierten Turbinen bis 10 Megawatt Leistung - bei denen das Wasser in Pipelines abgeleitet wird und die Bäche und Flüsse fast trocken zurücklässt.

© Radomir DuvnjakIm ganzen Land bekannt wurde die Auseinandersetzung um den Naturpark Stara Planina, ein Schutzgebiet an der Grenze zu Bulgarien. Trotz des Schutzstatus, erteilten die Behörden die Genehmigung zum Bau von 60 Kleinwasserkraftwerken. Der Protest der Anwohner war groß. Zwei der Kraftwerke wurden gebaut, doch 57 weitere v.a. wegen des enormen Widerstands im ganzen Land gestoppt. Zuletzt hatte das Verwaltungsgericht auch die Genehmigung für diese Projekte annulliert.

Ein großer Erfolg für die Natur- und Umweltschutzbewegung, aber auch für den Demokratisierungsprozess in Serbien. Immer mehr Menschen gehen am Balkan gegen den Ausverkauf der Natur auf die Barrikaden. So blockierten die "tapferen Frauen von Kruscica" in Bosnien-Herzegowina die Zufahrt zu einer Kraftwerksbaustelle für etwa 500 Tage und Nächte. Mit Erfolg, denn Ende letzten Jahres entschied ein Gericht, dass die Genehmigungen für den Bau von © Radomir Duvnjakzwei Kleinkraftwerken widerrechtlich erteilt wurden. Die Frauen zogen daraufhin ab. 

"Die Menschen in Serbien und anderen Balkanstaaten haben die Nase voll von den Politikern und korrupten Systemen, die ihre Flüsse und ihr Wasser stehlen und das dann auch noch als Klimaschutz verkaufen. Die Demonstration in Belgrad war sehr motivierend für alle, die sich für den Schutz der Balkanflüsse einsetzen. Zwischen Slowenien und Griechenland schlägt das blaue Herz Europas, fließen die besten Flüsse des Kontinents, mit einer einmaligen Artenvielfalt. Aber 3.000 neue Wasserkraftwerke sind in diesem Raum geplant," so Ulrich Eichelmann von Riverwatch.

Die Kampagne "Rettet das Blaue Herz Europas" versucht, diesen Naturschatz zu retten. Sie ist eine gemeinsame Initiative von Riverwatch und EuroNatur, zusammen mit zahlreichen Im Naturpark Stara Planina wurden jetzt 57 Wasserkraftprojekte gestoppt. © Milan SimonovicNaturschutzorganisationen in den Balkanstaaten.

 

Hintergrundinformationen

  • Kraftwerke in Serbien: https://balkanrivers.net/uploads/legacy/4_Serbia_DataUpdate2017.pdf
  • Kampagne zur Rettung der Balkanflüsse: Ungefähr 3.000 neue Wasserkraftwerke sind derzeit zwischen Slowenien und Albanien in Planung oder im Bau. Um dieser Welle der Zerstörung entgegenzutreten, haben die Naturschutzorganisationen EuroNatur und Riverwatch zusammen mit lokalen Partnern in den Balkanländern die Kampagne „Rettet das Plaue Herz Europas“ ins Leben gerufen.  https://balkanrivers.net/de

 

Rückfragen

Ulrich Eichelmann, Kampagnenkoordinator, Riverwatch - ulrich.eichelmann@riverwatch.eu, +43 676 6621512