Die Save

Europas natürlicher Hochwasserschutz

Europas natürlicher Hochwasserschutz

Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien

 

Natürlicher Hochwasserschutz: Auen haben den Effekt eines Schwamms, der das Wasser aufsaugt und Überschwemmungen flussabwärts reduziert. Foto: Goran ŠafarekVon ihrer Quelle in den slowenischen Bergen bis zu ihrer Mündung in die Donau bei Belgrad ist die Save eine der ökologisch und kulturell interessantesten Flusslandschaften Europas. Entlang ihres Laufs mit einer Gesamtlänge von 944 Kilometern und einem Einzugsgebiet von knapp 100.000 Quadratkilometern verbindet die Save vier Länder und über acht Millionen Menschen, die in ihrem Einzugsgebiet leben und von ihren Naturschätzen profitieren. Große Abschnitte der Save fließen nach wie vor frei, so dass sich bis heute ausgedehnte Überschwemmungsgebiete und Auwälder erhalten konnten. Der Jahreszyklus der periodischen Überschwemmungen im Winter und Frühling hat die Region und die Menschen geprägt und eine reiche kulturelle Landschaft geschaffen, in der die Menschen im Einklang mit dem Fluss leben und ihre Traditionen pflegen.

Die riesigen natürlichen Überschwemmungsflächen im Auwälder entlang der Save. Foto: Goran Šafarekmittleren Flussabschnitt stellen das vielleicht außergewöhnlichste Hochwasserschutzsystem Europas dar. Sie können über zwei Milliarden Kubikmeter Wasser speichern und schützen so  das Leben und Eigentum der Bewohner von flussabwärts liegenden Städten wie Sisak, Slavonski Brod oder Belgrad.

Auch der herausragende ökologische Wert der Save mit ihren Altwasserarmen, Flussschlingen und Auwäldern wurde bereits international anerkannt. So wurden folgende fünf Gebiete mit einer Gesamtfläche von 74.888 Hektar als Ramsar-Gebiete ausgewiesen: der Naturpark Lonjsko Polje und Teichgut Crna Mlaka in Kroatien, der Bardača See in Bosnien-Herzegowina, sowie das Sumpfgebiet Obedska bara und das Zasavica Moor in Serbien. Während ein großer Teil der Save in Slowenien und Kroatien bereits Teil des EU Natura-2000-Netzwerks ist, fehlt in Bosnien-Herzegowina sowie in Serbien ein Schutzstatus weitgehend. Ein einheitliches System für Schutzgebiete und deren Management, das von den nationalen Behörden unterstützt wird, gibt es hier nicht.

Biodiversität

Storchenparadies in einem traditionellen Dorf entlang der Save. Foto: Martin Schneider-JacobyBiodiversität

Entlang der Save wurden insgesamt 49 Gebiete mit einer Gesamtfläche  von rund 3.700 Quadratkilometer identifiziert, die eine besonders hohe Biodiversität  aufweisen. Gleichzeitig gibt es noch große Wissenslücken über die ökologische Funktion und die Biodiversität der Save. In langen Abschnitten fließt der Fluss ungezähmt ohne jegliche künstliche Barriere und schafft mit seiner Dynamik ideale Lebensräume für zahlreiche Vogelarten. So brütet an den natürlichen Steilufern der Save noch die Uferschwalbe (Riparia riparia) und auf den Schotter- und Sandinseln unterhalb Zagrebs nistet eine der letzten Flussseeschwalbenkolonien (Sterna hirundo) der Save.

Die Auen spielen eine Schlüsselrolle hinsichtlich der biologischen Vielfalt der Region. Die periodischen Überschwemmungen der Save Auen schaffen reichliche Nahrungsquellen für etliche Reiherarten sowie den Weißstorch (Ciconia ciconia), der auf fast jedem Dach in den Anrainerdörfern entlang der Save brütet. Der seltene Löffler (Platalea leucorodia), dessen Vorkommen in Südosteuropa in den letzten Jahren dramatisch Einst über den gesamten Donauraum verbreitet, konzentriert sich das Verbreitungsgebiet der letzten „gesunden“ Huchenbestände  auf einige wenige Flüsse, die nun durch Staudämme bedroht sind. Foto: C. Ratschanzurückgegangen ist, findet auf den überschwemmten Weiden noch geeignete Brutplätze und genügend Nahrung, um seine Küken zu versorgen.

Der Huchen in Slowenien

Der noch frei fließende slowenische Abschnitt der Save beherbergt eine Besonderheit, die früher im Donauraum weit verbreitet war:  den Huchen oder auch Donau Lachs genannt. Der Huchen (Hucho hucho) ist die größte  der forellenartigen Fischarten. Er benötigt  für seine Reproduktion rasch strömende und kiesreiche Flüsse. Diese sind selten geworden, aber an der Save und ihren Zuflüssen in Slowenien findet er diese Habitate noch. Noch, denn auch hier sind zahlreiche Wasserkraftwerke geplant. Werden die Dämme gebaut, hat der Huchen auch hier keine Chance mehr. Finden sie dazu unsere Studie und Nistende Löffler in einer der letzten aktiven Kolonien in Südosteuropa – im Save Altarm Kraje Đol im Lonjsko Polje Naturpark. Foto: Nenad Setinaweitere Downloads: Der Huchen Hucho hucho auf dem Balkan

Außerdem beheimatet das Save Einzugsgebiet das größte Netzwerk von Auwäldern im Donaubecken, in dem Stieleichen (Quercus robur) und Schmalblättrige Eschen (Fraxinus angustifolia) wachsen. Diese Wälder bieten Lebensraum für wichtige europäische Brutpopulationen des Schreiadlers (Aquila pomarina) und des Seeadlers (Haliaeetus albicilla), sowie für den seltenen und scheuen Schwarzstorch (Ciconia nigra).

Soziale und kulturelle Werte

Soziale und kulturelle Werte

Über Jahrhunderte haben sich die Menschen an das periodisch auftretende Hochwasser angepasst: In den Überschwemmungsgebieten der Save haben sich seltene Nutztierrassen wie das Schwarze Slawonische Schwein, das Krško Schwein, sowie das Turopolje Schwein etabliert, die in den Auen und Sümpfen entlang des Flusses Nahrung finden. Auch heute noch wird die Tradition der Posavina Pferde- und Rinderhaltung im freien Auengebiet fast während des ganzen Jahres gepflegt. Alte Traditionen und Bräuche existieren entlang der Save nach wie vor. Ein typisches Merkmal der am Fluss liegenden Dörfer sind die Holzhäuser, deren Erdgeschosse wenig genutzt werden, um sich dem natürlichem Auf und Ab des Flusses anzupassen. Die Save ist ein wichtiges Symbol regionaler Identifikation für die Menschen, die an ihrem Ufer wohnen. Sie produzieren eine reiche Vielfalt an regionalen Produkten wie Honig, Kuhkäse und regionale Schweinefleischprodukte. Neben der großflächigen Landwirtschaft ist auch die Forstwirtschaft eine Haupteinnahmequelle und spielt eine wichtige Rolle für die Existenz der Menschen am Fluss. Ökotourismus hat sich in mehreren Standorten entlang des Flusses gut etabliert, so zum Beispiel entlang des Oberlaufes der Save in Slowenien, in den Saveauen um den Lonjsko Polje Naturpark in Kroatien und größeren Zuflüssen wie der Una in Bosnien-Herzegowina, und könnte sich potentiell zu einem wichtigen Wirtschaftszweig in der Region entwickeln.

Posavina Pferde in ihrem natürlichen Habitat – den Weiden entlang der Save. Foto:  Martin Schneider-Jacoby Typische und sehr seltene Nutztierrasse: das Turopolje Schwein, das in den Weiden im Überschwemmungsgebiet der Save Nahrung findet. Foto:  Martin Schneider-Jacoby
Die Bedrohung

Die Bedrohung

Die Save ist doppelt unter Beschuss: die weitgehend intakten oberen und mittleren Abschnitte sind von neuen Staudammprojekten bedroht. Gleichzeitig gefährden Pläne zum Ausbau der Schifffahrt und die dafür notwendigen Flussregulierungen den unteren Abschnitt. 

 

Wasserkraft

Es gibt 29 bestehende Wasserkraftwerke im oberen Teil des Flusseinzugsgebiets. Diese Staudämme verursachen flussabwärts erhebliche Probleme, da sie den Sedimenttransport blockieren. Dies führt wiederum zu einer verstärkten Tiefenerosion und zum Absinken des Oberflächen- und Grundwasserspiegels unterhalb der Kraftwerke. Durch die fehlenden Sedimente ist das Flussbett in Zagreb bereits bis zu sechs Meter erodiert. Damit ist die Trinkwasserversorgung von über einer Million Menschen in Gefahr.

Trotz dieser Fakten existieren Pläne für neunzehn weitere Wasserkraftwerke allein an der Save, während an fast allen Save-Zuflüssen weitere Ausbaupläne vorliegen. Laut dem kürzlich entwickelten Projekt „Zagreb on Sava“ sollen zwischen der slowenischen Grenze und Sisak sieben weitere Wasserkraftwerke entlang der Save gebaut werden. Darüber hinaus ist ein 34 Kilometer langer Bypasskanal um die kroatische Hauptstadt geplant, um Hochwasser abzuleiten.

 

Schifffahrt

Die geplante Erweiterung der Schifffahrtsklasse an der Save. Quelle: Croatian Space Plan, 2013Der untere Abschnitt der Sava ist durch unrealistische Pläne zum Ausbau der Binnenschifffahrt bedroht. Dazu soll eine umfangreiche Regulierung dieses noch frei fließenden Flussabschnitts vorgenommen werden. Vorgesehen ist ein Ausbau der Schifffahrtsklasse von Klasse III auf Klasse IV zwischen Sisak und Slavonski Brod (2,5 Meter Navigationstiefe) und von Klasse IV auf Klasse V zwischen Slavonski Brod und Belgrad (2,5 - 2,8 Meter Navigationstiefe). Dieser gravierende Eingriff wird forciert obwohl die Handelsschifffahrt an der Save kaum genutzt wird (pro Jahr werden lediglich 400.000 Tonnen befördert) und alternative Transportmöglichkeiten über Autobahn oder Schienenweg gegeben sind.

Der Ausbau hätte die komplette Zerstörung der Save zur Folge: 106 neue Konstruktionen zur Flussregulierung und 27 technische Uferbefestigungen werden allein in Kroatien notwendig. 1,7 Millionen Kubikmeter Sedimente müssten abgetragen werden, um die neue Schifffahrtstraße zu vertiefen. Die Regulierungen der Save würden die natürliche Dynamik des Flusses unterbinden: Fluss und Überschwemmungsgebiete wären stärker getrennt, die alten Eichenwälder, sowie die Altarme, würden auf lange Sicht verschwinden – und damit auch wichtige Brutgebiete seltener Arten wie die Löfflerkolonie in Krapje Đol in Kroatien. Sowohl die wirtschaftliche Notwendigkeit des Ausbaus als auch die Kosten für die Umwelt wurden nie angemessen untersucht. Trotzdem werden diese Schifffahrtsprojekte von der International Sava River Basin Commission und der entsprechenden Lobby für Wasserwirtschaft voll und ganz unterstützt.

Schlussfolgerungen

Schlussfolgerungen

  • Save von oben. Flussschlingen, Auwälder und Überschwemmungsflächen sind typische Merkmale des Mittellaufs natürlicher Flüsse. Foto: Goran ŠafarekDas einzigartige natürliche Hochwasserschutzsystem der Save ist von Wasserkraft- und Schifffahrtsprojekten bedroht.
  • Beträchtliche Tiefenerosion durch Eingriffe am Oberlauf des Flusses bedroht schon heute die Existenz von Millionen Flussbewohnern.
  • Eine weitere Degradierung des Flusses würde flussabwärts das Risiko von Hochwasser für Gemeinden, Städte und Siedlungen signifikant erhöhen.
  • Weitere Beeinträchtigungen der Durchgängigkeit der Save und der Verlust von Laichgewässern durch Gewässerverbau- und Regulierung gefährden die Population des nach EU Habitat Richtlinie geschützten Huchen.
  • Die herausragenden ökologischen und kulturellen Werte des Save-Einzugsgebietes sind das Rückgrat nachhaltiger Entwicklung der Region.

 

Wir fordern

  • den Stopp des Ausbaus von Wasserkraft an der Save, vor allem in den Flachlandregionen und NATURA 2000-Gebieten.
  • Rückbaumaßnahmen an der Save in Slowenien zur Stabilisierung und Verbesserung der Huchen Population im Sinne der EU Habitat Richtlinie.
  • die slowenische Regierung auf, umgehend die Umsetzung von Maßnahmen in die Wege zu leiten, um die Auswirkungen bestehender Staudämme flussabwärts zu entschärfen, - hier insbesondere den Mangel an Sedimenten und die damit verbundene Tiefenerosion.
  • keinen Ausbau der bestehenden Schifffahrtsklassen – die Schifffahrt muss an den Fluss angepasst werden, nicht der Fluss an die Schiffe.
  • die EU auf, keine Projekte zu fördern, die gegen EU-Richtlinien verstoßen.
  • eine erneute Beurteilung durch eine unabhängige Expertengruppe (inklusive Nichtregierungsorganisationen), inwiefern der Ausbau der Schifffahrt auf der Save notwendig ist - unter Berücksichtigung alternativer Transportsysteme wie Schienen und Straßen. Wir fordern eine fundierte Kosten-Nutzen-Analyse, um die ökologisch und wirtschaftlich beste Lösung für den Gütertransport entlang des Save-Korridors zu finden.
  • die Entwicklung und Umsetzung eines umfangreichen Programms für Fluss- und Auenrenaturierung des gesamten, noch frei fließenden Flussabschnitts der Save zwischen Krško (Slowenien) und Belgrad (Serbien).

Periodischen Überschwemmungen der Save Auen im Lonjsko Polje Naturpark. Foto: Goran Šafarek

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